Weekend Vol-biv through the Southern Alps

Weekend Vol-biv through the Southern Alps

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NOVA Team-Pilot Markus Anders and his flying-buddy Nico Manthos did a weekend vol-biv from Levico Terme (Italy) to Slovenia then north until reaching the main chain of the Alps neat Felberntauern-Tunnel. The story is in German (sorry), but the photos are still worth looking at.

Wochenend-Biwakabenteuer unter Kumpels

Freitagmittag, ein langes Wochenende steht bevor. Der Wetterbericht verspricht vor allem für den Südalpenrand gutes Flugpotenzial. Eine sehr gute Gelegenheit für ein Wochenendausflug um gleichzeitig dem typischen Aprilwetter in Deutschland zu entfliehen. Zudem schwebt mir schon seit geraumer Zeit die Idee des Biwakfliegens durch den Kopf. Einfach mal drauflosfliegen mit Zelt und Schlafsack im Gepäck, ohne Rücksicht auf das Zurückkommen die volle Freiheit des Gleitschirmfliegens genießen.

Nicolas Manthos, ein seit der Schulung sehr guter Fliegerkumpel, ist sofort für das Vorhaben zu begeistern. Um dem erwarteten Ansturm auf Bassano zu entgehen, entscheiden wir uns für den Monte Panarotta in Levico Therme (IT) als Startberg. Die organisatorischen Dinge, wie Mitfahrgelegenheit, Verpflegung,  Stromversorgung und grobe Flugplanung sind im Nu geklärt und nach einer etwas kniffligen Packerei geht es dann am späten Nachmittag direkt los. Levico erreichen wir spät in der Nacht.

Tag 1: Levico Terme – Slowenien

Der Samstag beginnt mit strahlend blauem Himmel und es ist bitter kalt. Stellenweise ist sogar der Boden gefroren, doch die ersten Sonnenstrahlen stecken voller Energie. Wir sind uns recht schnell einig, das wird definitiv ein guter Tag! Gemütlich laufen wir die knappen 1000 hm zum unteren Startplatz auf den Mt. Panarotta hoch.

Unterwegs spüren wir gut wie immer wieder thermische Lüftchen den Berg hoch streichen. Oben angekommen sind schon überall die ersten kleinen Cumuli zu sehen und das um 9 Uhr! Zum Starten ist es aber noch zu schwach. Wir gönnen uns einen warmen Cappuccino, das vermutlich letzte warme Getränk des Tages, genießen die Sonne und beobachteten beiläufig die weitere Wetterentwicklung. Es kommen immer mehr Drachen und auch Gleitschirmflieger. Die Zahl der Piloten bleibt aber noch sehr überschaubar.

Um 10 Uhr starten die ersten und schnell drehen einige Piloten schon höher als Startplatzniveau. Ganz entspannt machen wir uns fertig. Die Cumuli sind teilweise schon recht gut gewachsen. Wir starten beide um kurz nach 11 Uhr. Die erste Thermik beamt uns direkt mit 6m/s auf 2500 m zur Basis hoch. In den Erwartungen an den Tag bestätigt, kann ich mir mein breites Grinsen nicht mehr verkneifen. Mit dem unterstützenden SW-Wind fliegen wir los Richtung Feltre.

Die ersten Talsprünge gelingen durch die hohe Basis und dem Wind so halb im Rücken kinderleicht. Die eindeutige Schneegrenze kennzeichnet die Abrisskanten klar. Die recht kräftigen Thermiken sind sehr zuverlässig, so dass auch der nicht wirklich landbare Passo Croce d’Aune hinter Feltre kein Problem darstellt. Dort angekommen entscheiden wir uns für den Weiterflug Richtung Belluno. Das weite Piave-Delta und die imposanten Felsformationen auf der Strecke sind ein landschaftlicher Traum und purer Genuss beim ansehen!

Mit dem weiterhin guten SW-Wind im Rücken gleiten wir bis zum östlichen Rand des Piave-Tals und gleichzeitig der Regionsgrenze von Venetien. Nach kurzer Absprache beschließen wir mit dem Überflug des 2200 m hohen Crep Nudo in die Julischen Alpen einzufliegen.

Die Anspannung ist merklich gestiegen, denn wir fliegen bewusst in ein großes Lee und wissen beide nicht so recht wie kräftig dieses ausgeprägt ist. Nach einem großräumige Sinkgebiet mit erstaunlich wenig Turbulenzen ist die Sache aber noch nicht rum, denn wir finden uns  in einem mit sehr bizzar geformten Felsstrukturen durchzogenes und zerklüftetes  „Niemandsland“ wieder.

Der Wind hat zudem aufgefrischt und auf südöstliche Richtung gedreht. Die Thermiken sind dadruch vor allem unten heraus sehr zerrissen und anspruchsvoll. Die nahezu unlandbare Landschaft verlangt ebenfalls volle Konzentration.

Irgendwie froh aus dem „Niemandsland“  draußen zu sein, aber auch erstaunt von der gewaltigen Landschaft, welche man so wahrscheinlich eher selten zu Gesicht bekommt, fliegen wir weiter Richtung Meduno. Der Soaring-Hang trägt super, allerdings macht der starke Südwind den Einstieg in die Thermikblasen nicht wirklich leicht. Nach etwas Probieren graben wir einen traumhaft ruhigen, aber dennoch recht kräftigen Bart aus der angrenzenden flacheren Hügellandschaft aus. Wir druchfliegen die durch den tieferen Sonnenstand und die teilweise recht stark ausgebreiteten Wolken bedingten riesigen Abschattungen weiter Richtung Gemona.

Hier wiederholt sich das gleiche Spiel: Eine riesige Abschattung zieht vor uns südwärts über das ganze Tal, weshalb wir gezungenermaßen sehr weit draußen zu einer viel größeren Talquerung ansetzen müssen. Eine so große Abschattung löst bestimmt am Rand irgendwo eine Thermikblase ab, so die Theorie. Also fliegen wir direkt an der Schattengrenze entlang.

Absaufen in der Talmitte?

Als uns in der Talmitte so langsam die Höhe ausgeht und ich schon gedanklich bei dem vermeintlichen Fußmarsch aus der Talmitte zu einem möglichen Biwakplatz und Startplatz für den Folgetag bin, finden wir doch noch die anfangs recht zähe, aber rettende Thermik. Wir gleiten auf die andere Talseite.

Über den perfekt in der Sonne stehenden Bergflanken hinter Gemona katapultiert es uns nochmal bis auf 2000 m hoch. Über der Westflanke hat sich dementsprechend eine riesig ausgebreitete Wolke gebildet, welche den weiteren Flugweg Richtung Slovenien und fast die gesamte durchgängige Bergflanke Richtung Kobarid mit einem riesigen schwarzen Schattenloch abdeckt.

Jeder Verstand würde hier sagen, da geht definitiv nichts mehr. Aber da wir sowieso ein netten Biwakplatz etwas ab vom Schuss suchen wollten, kann man es ja mal zu versuchen. Eventuell schiebt  ja der Südwind noch ein bisschen was an der SW-Flanke  hoch… Und so kommt es dann auch. Die komplette Flanke bis über die Landesgrenze ermöglicht ein Durchfliegen der Abschattung ohne großen Höhenverlust. Mehr noch: am Ende des Felsgrats gelingt es uns noch die allerletzte Thermik auszukurbeln, von welcher aus wir völlig baff, erschöpft, aber auch voller Zufriedenheit und überglücklich zum letzten Abgleiter ansetzen und nach einem genialen 7h33min langen Teamflug auf einer kleinen Anhöhe direkt an unserem Biwakplatz landen.

Die Sonne steht schon tief. In den letzten Sonnenstrahlen bauen wir schnell das Zelt auf und verkriechen uns, als dann komplett alles abschattet, in unsere Schlafsäcke. Wir quasseln noch etwas über das Erlebte, wissen aber beide nicht so recht wo anfangen. Der Tag hat so viele Eindrücke hinterlassen… Zugleich ist es für uns beide mit 186 km der bisher weiteste One Way-Flug.

http://www.dhv-xc.de/xc/modules/leonardo/index.php?name=leonardo&op=show_flight&flightID=855937

Tag 2: Slowenien – Alpenhauptkamm

Der Sonntag beginnt früh. Um 6 Uhr werden wir von lautem Glockenläuten aus dem nicht weit entfernten Dörfchen Libusnje geweckt. Irgendwie schaut es noch nicht so toll aus. 8/8 Bewölkung bedecjt den Himmel. Es ist sehr kalt, aber weiterschlafen geht nicht mehr. Also machen wir uns Gedanken über das Weiterfliegen.

Nico checkt das Wetter, es wird ähnlich wie Samstag mäßiger SW-Wind, nur stabiler und mit niedrigerer Basis. Ich schaue derweil nach einem geeigneten Startberg und tüftle eine nette Route dorthin aus. Ich werde schnell fündig, der Krn soll’s werden. 10 km Marsch mit ca 1500 hm – doch ganz ordentlich. In der Zwischenzeit reißt es auf und in weniger als 30 Minuten ist es strahlend blau. Wir packen schnell zusammen, essen ein Frühstücks-Corny und laufen los.

Nach Südosten? Oder nach Norden?

Auf dem Weg zum Krn diskutieren wir über den Weiterflug. Ab Montag ist schlechtes Wetter angekündigt. Kurz überlegen wir, der Störung weiter Richtung Osten zu entfliegen. Durch Slovenien, vielleicht noch nach Kroatien. Mangels Karten- und Luftraumaterial verfliegt das Vorhaben schnell. Dann hat Nico die Idee: Wir fliegen Richtung Greifenburg, das Drautal ab da Richtung Lienz ist wieder eine schöne Rennstrecke und wer weiß: Vielleicht schaffen wir es ja bis zum Hauptkamm…

Von dort sollte sich auch die Heimreise relativ einfach gestalten. Nur, wie kommen wir nach Greifenburg? Der Blick auf die Karte zeigt viele kleine und auch enge Täler, wenig Straßen, Ortschaften gibt es auch, wenn auch nicht viele… Und wir müssten einige Bergflanken überfliegen. Nicht gerade die Standardroute, aber die Herausforderung gefällt uns.

In der Ortschaft Krn angekommen, ein nettes Örtchen unterhalb des gleichnamigen Berges, bestaunen wir die massiven Felswände der Nachbarberge.

Da auch schon wieder die ersten Thermiken durch Cumuli gezeichnet sind, vergeuden wir keine Zeit, laufen bis zum steilen Sattel unter dem Krn und treten unseren zweiten Flug an.

Die Thermik zieht sofort sehr zuverlässig. Schnell erreichen wir die Basis. Wir nehmen uns den Spaß und fliegen zwei, drei mal an der Hütte unterhalb des Krns vorbei, zu welcher zahlreiche Wanderer aufgestiegen sind, ehe wir Richtung NW davonziehen.

Die Anfangs schön durchgängigen Bergflanken laufen aber schnell aus. Wir fliegen an massiven Felswänden vorbei und müssen die ersten großen Bergrücken queren.

Weiter geht es durch dünn besiedelte und auf den ersten Blick nur von Flüssen durchzogene Täler.

Doch am Horizont erspähen wir schon die Gailtaler Alpen und dahinter liegt bald das Drautal in Sichtweite. Unser Zwischenziel rückt immer näher. Das Fliegen wird entspannter, denn die erste Herausforderung ist gemeistert. Es dauert nicht sehr lange und wir befinden uns vor dem ersten großen Talsprung über das Gailtal.

Ich nutze die lange Querung um meine Hände zu wärmen, merke dabei jedoch erst (zu) spät, dass ich zu stark vom Kurs abkomme und unnötigerweise sehr viel Höhe vergeude. Der Anschluss auf der anderen Talseite gelingt nach langem Kampf in einem starken Talwind aber dennoch.

Um nicht nochmal in so eine verzwickte Situation zu gelangen, kurbeln wir die nächste Thermik bis zur Basis aus und queren direkt weiter über das Drautal. Geschafft! Wir sind bei Greifenburg. Doch der Tag ist noch nicht zu Ende. Wir beschließen, mit dem starken südöstlichen Talwind weiter Richtung Lienz nach Osttirol zu fliegen.

Fasziniert gleiten wir über die eindrucksvolle Winterlandschaft der immer höher werdenden Bergemassive und der Hauptkamm rückt Stück für Stück näher. Doch gleichzeitig wird der Talwind immer stärker und hochreichender. Die Thermiken sind sehr zerissen und es wird immer schwieriger Höhe zu machen. Kurz überlegen wir den Hauptkamm soarend zu queren. Doch die enorme Geschwindigkeit, mit welcher die Wolken auf die Nordseite geschoben werden, schreckt ziemlich ab. Wir entscheiden uns für die sichere Variante und landen am Felbertauern-Tunnel ein, im Westen nicht fern der Großvenediger, im Osten der Großglockner.

Wieder geht ein unglaublicher Flugtag zu Ende. Beim besten Willen hätten wir uns so ein grandiose Fortsetzung unseres Trips nicht vorstellen können. In über sechs Stunden Flugzeit haben wir wieder fast 140 km Luftlinie nahezu im Synchronflug zurückgelegt und sind punktgenau an der selben Stelle gelandet. Um die Eindrücke setzen und den Tag entspannt ausklingen zu lassen, beschließen wir nochmal eine Nacht zu biwakieren, ehe wir uns dann am Montag um die Heimreise kümmern würden.

http://www.dhv-xc.de/xc/modules/leonardo/index.php?name=leonardo&op=show_flight&flightID=856669

PS: Eins ist sicher, das nächste Gleitschirmbiwakabenteuer wird defintiv kommen ;)